Form

Um einen Raum zu schaffen, in dem eine Auseinandersetzung mit dem Thema Berufsfindung möglich und fruchtbar ist, hatten wir uns viele Gedanken gemacht, wie wir die Tagung konkret gestalten können. Folgende Punkte waren uns dabei sehr wichtig:

Selbstbestimmung
Die wesentlichste Erfahrung und Erkenntnis ist für uns, dass die Berufsfindung mit der Selbstbestimmung beginnt (siehe unter Hintergrund). Deshalb war für uns von Anfang an klar, dass wir kein Programm haben für die Tagung. Es gab demnach keine von uns im Vorhinein geplanten Vorträge, Podiumsdiskussionen oder Workshop.
Für uns war das entscheidend, was die Menschen, die kamen, an Fragen, Ideen und Anliegen mitbrachten. Nur das, was dadurch entstand und von jedem einzelnen mit eingebracht wurde, passierte während der Tagung. Die Berufsfindung beginnt damit, dass ich mir die Fragen stelle: Was ist mir eigentlich wichtig? Was will ich tun? Was sagt die Welt, was sagt mein Herz mir und was mache ich damit?
So war die Tagung ein gemeinsames Kunstwerk, welches wir gemeinsam gestalteten. Als Vorbereitungsteam sahen wir unsere Aufgabe darin, die nötige Infrastruktur zu schaffen.

Open Space
Damit die Fragen und Anliegen, mit denen jeder Einzelne zur Tagung kommt, sichtbar werden können, wird es jeden Vormittag ein Plenum geben. Dieses soll die Möglichkeit geben, Initiative zu ergreifen, Wünsche zu äußern und sich gegenseitig wahrzunehmen. Gesprächsgruppen, Workshops und andere Arbeitszusammenhänge können sich bilden. Wer ein konkretes Anliegen hat, kann es hier formulieren. An einer großen Pinnwand werden die Vorhaben anschließend gesammelt und mit einer Uhrzeit und einem Raum versehen. Mit der Pinnwand ist es auch jeder Zeit außerhalb der Plena möglich, Angebote und Initiativen sichtbar zu machen. So hoffen wir, dass sich die Menschen treffen, die etwas miteinander zu tun haben wollen, die an ähnlichen Fragestellungen arbeiten wollen. Wodurch wahrscheinlich ein ähnliches Programm und Angebot entstehen, wie bei einer anderen Tagung auch. Dabei ist das ganze natürlich auch ein Experiment – wir werden erst dann sehen, wie es läuft und was genau geschieht.

Abendprogramm
Auch was das Abendprogramm betrifft, versuchen wir vom Vorbereitungsteam Möglichkeiten dafür zu schaffen – konkret entstehen wird es aber erst auf der Tagung, gestaltet von den Leuten, die dann konkret etwas tun wollen.

Begegnung
Viele andere Menschen zu treffen und ihnen zu begegnen, ist das Entscheidende auf einer Tagung. Wie aber entstehen Begegnungen? Welcher Rahmen unterstützt dies?
Nicht nur unsere Erfahrung zeigt immer wieder: das Wesentliche sind die Pausen!
Deshalb ist der Mittelpunkt der Tagung ein Café. Als räumliches Zentrum kommt man gar nicht um das Café herum und kann hier von morgens bis nachts in Ruhe Gespräche führen, Menschen begegnen und sich austauschen. Gleichzeitig hat man hier den Überblick, alle anderen Räume gehen von hier aus ab und die Übersicht des entstehenden Programms befindet sich hier.

Tätig werden
Gerade weil es bei der Berufsfindung um eine Tätigkeit geht, ist es uns wichtig, auch diese zu integrieren. Sowohl, dass man seine bisherige Arbeit mitbringen und während der Tagung fortführen kann als auch, dass man Ideen und Impulse, die während der Tagung kommen, sofort angehen kann.
Dafür gibt es in unmittelbarer Nähe zum Café einen „Coworking Space“, in dem Tische, Steckdosen und vor allem Internet für die Computerarbeit zur Verfügung stehen. Direkt gegenüber gibt es ein Atelier, welches für künstlerische Tätigkeiten aller Art zur Verfügung steht.

Inspiration
Alles oben genannte ist uns auch wichtig als Quellen der Inspiration. Durch die inhaltliche Auseinandersetzung, sowohl sprechend als auch zuhören, und durch die konkrete Tätigkeit, auch hier aktiv sowie zuschauend, hoffen wir das die Tagung neue Ideen, Gedanken und Erkenntnisse ermöglicht.
Neben dem Atelier und dem „Coworking Space“ wo Begegnungen mit und an konkreter Arbeit möglich sind, wollen wir die Flure und kleinere Nischen nutzen um Arbeiten und Arbeitsergebnisse von Leuten die zur Tagung kommen, auszustellen
Auch soll es ein kleines Kino geben, in dem nicht nur der Film „Berufswege“ sondern auch weitere zu den Themen Arbeit und Beruf zu sehen sind.

Nach der Tagung
Von Anfang an war es uns ein großes Anliegen, nach Möglichkeiten zu suchen, dass die Tagung über sich selbst hinausgehen kann. Bei der Ernsthaftigkeit der Herausforderungen und der Fragen, werden diese auch nach der Tagung bei vielen weiter brennen. Darüber hinaus ist uns eine Frage, wie es möglich ist, die Energie, die auf einer Tagung entsteht nach der Tagung aufrecht zu erhalten.

Deshalb werden wir als Vorbereitungsteam im Januar 2013, drei Monate nach der Tagung, eine Tour durch Deutschland machen und die Menschen, die bei der Tagung waren, besuchen. Dabei wollen wir ins Gespräch kommen über die Tagung – was sie bewirkt und bewegt hat. Auch sich über die persönlichen Situationen der Berufsfindung auszutauschen ist uns wichtig.
Diese Gespräche bilden auch einen Baustein der umfangreichen Dokumentation des gesamten Berufswege Projektes.

„Ich suche nicht – ich finde.
Suchen, das ist das Ausgehen von alten Beständen in ein Finden – Wollen von bereits bekanntem Neuen. Finden, das ist das völlig Neue auch in der Bewegung. Alle Wege sind offen und was gefunden wird, ist unbekannt. Es ist ein Wagnis, ein heiliges Abenteuer. Die Ungewissheit solcher Wagnisse können eigentlich nur jene auf sich nehmen, die im Verborgenen sich geborgen wissen, die in die Ungewissheit, die Führerlosigkeit geführt werden, die sich im Dunkeln einem unsichtbaren Stern überlassen, die sich von Zielen ziehen lassen und nicht menschlich beschränkt und eingeengt das Ziel bestimmen.
Dieses Offensein für jede neue Erkenntnis, für jedes neue Erlebnis im Außen und Innen: das ist das Wesenhafte des modernen Menschen, der in aller Angst des Loslassens doch die Gnade es Gehalten-Seins im Offenbarwerden neuer Möglichkeiten erfährt.

Pablo Picasso