Hintergrund

In der Auseinandersetzung mit der Berufsfindung in unserem eigenen Leben war ein zentrales Erlebnis, dass die Berufsfindung eine äußere und eine innere Frage ist.

Die äußere Frage
Die äußere Frage ist das, was jeder junge Mensch kennt, wenn von anderen Menschen, in der Regel vor allem Eltern und Lehrer und der Gesellschaft massiv die Frage kommt, was man denn beruflich nach der Schule machen will – bzw. welchen Abschluss man anstrebt und wie es danach weiter geht. Dabei steht in der Regel ein Lohnarbeitsplatz im Vordergrund, verbunden mit der Haltung, dass man ja irgendetwas arbeiten muss in unserer Gesellschaft, um Geld zu verdienen. In glücklichen Fällen steht nicht das Geldverdienen im Vordergrund, sondern auch die Frage, wo man seine Fähigkeiten am besten in die Gesellschaft einbringen kann.

Die innere Frage
Das Wesentliche jedoch ist für uns die innere Frage. Diese taucht in einem selbst auf und hat etwas mit den grundsätzlichsten Fragen überhaupt zu tun. Wir würden sie wie folgt versuchen zu umreißen: Warum bin ich auf der Welt? Wofür lebe ich? Was gibt meinem Leben Sinn? Was ist meine Aufgabe?
Das sind die Fragen, die unsere Wege geprägt haben und existenziell waren. Es geht also um Selbsterkenntnis und Selbstverwirklichung.

Die Verbindung
Dabei erleben wir eine große Diskrepanz zwischen diesen inneren Fragen und den äußeren. Erst in der intensiven Auseinandersetzung und dem Leben mit den Fragen, wurde für uns deutlich, wie wesentlich die Fragen zusammen gehören!
Wenn wir unser eigenes (bisher zugegeben junges) Leben anschauen, haben wir in den letzten Jahren fast immer irgendwas gemacht, was mit der Welt zu tun hatte, mit anderen Menschen (andere würden vielleicht sagen: für andere), wie zum Beispiel eine Tagung zum Thema „Berufsfindung“ organisieren. Dabei war der Maßstab immer die Auseinandersetzung mit der Frage: Hat das, was ich tue, wirklich etwas mit mir und mit der Welt zu tun? Und zwar nicht unbedingt mit dem, wie beides jetzt ist, sondern mit dem, wie beides sein könnte oder sein will.
Kann das nicht Arbeit sein, das ich etwas tue in der Welt?! Die Aufgaben in der Welt, das sind die Berufe.
Dann wäre die Frage nicht mehr – welcher Studiengang oder welche Ausbildung passt zu mir, sondern: Was will ich tun in der Welt? Was muss getan werden?

Selbstbestimmung
Dabei war der Ausgangspunkt für uns immer die Selbstbestimmung! Ohne die geht es nicht – so erleben wir unsere Zeit.
„Ich wollte ja nichts als das zu leben versuchen, was von selber aus mir heraus wollte!“
Hermann Hesse, in „Demian“
Es gibt einen bestimmten, individuellen Grund, warum ich bin. Und natürlich hat der mit dem zu tun, was ich tun will (oder muss?). Die Frage nach dem roten Faden, nach der Bestimmung taucht auf.
Selbstbestimmung heißt: die Sicherheit liegt in jedem einzelnen Menschen selbst. Die äußere Sicherheit trägt nicht wirklich – dies ist ja bereits Realität.

Ich will nicht für mich arbeiten
Und dann dreht sich auch die äußere Frage um: nicht die Notwendigkeit, arbeiten zu müssen, um Geld zu verdienen ist der Grundimpuls, sondern etwas für andere Menschen tun zu wollen! Ich will ja nicht für mich arbeiten. Der Impuls, der Sinn und die Freude an der Arbeit entspringen daran, dass ich die Arbeit nicht für mich tue, sondern für andere Menschen.
Was habe ich also mit der Welt zu tun? Was will ich mit ihr zu tun haben? Was ist überhaupt die Welt? Oder: Mit welcher Welt will ich etwas zu tun haben?
„Wahrnehmung ist Voraussetzung für Gestaltung. Wenn jemand keine Ideen hat, dann fehlt es ihm meist an Wahrnehmung.“
Götz W. Werner
Die Welt wird für uns sichtbar und zugänglich vor allem durch andere Menschen. Durch Menschen, die in der Welt sind, die von ihrer Welt berichten, die ihre Erfahrungen, Erlebnisse und Wahrnehmungen der Welt mitteilen. Das war eine wichtige Motivation für die konkreten Vorhaben des Projektes „Berufswege“.

Umsetzung
Und erst jetzt kommt für uns die Frage: Wie schaffe ich mir eine Grundlage, auch finanziell, um das tun zu können, was ich in der Welt tun will. Was sind eigentlich die Möglichkeiten? Und wer beurteilt sie auf welcher Grundlage?
Alles Neue entsteht gegen Widerstände. Kreative und gute Ideen sind hier gefragt und viel Lebenskünstlertum – allem voran Mut und Kraft.
Die vielen, abgefahrenen und verschiedenen Wege dabei sichtbar zu machen, die es auf neuen Wegen heute schon gibt, ist ein Anliegen des Projektes „Berufswege“.

Fazit
Wir wollen junge Menschen ermutigen, die eigenen Sehnsüchte und Wege ernst zu nehmen und Möglichkeiten zu finden, diese zu einem Beruf zu machen.
Das wäre ein notwendiger Schritt, die Herausforderungen der Gegenwart anzugehen: dem Wirtschaftsliberalismus als alles durchdringender und bestimmender Lebensmaxime etwas entgegen zu stellen: den selbstbestimmten Menschen!
Dabei geht es nicht um etwas Spektakuläres, sondern um etwas Wesenhaftes: Warum stehst du morgens auf? Wirst du bewegt oder bewegst du dich selbst?

„I invite you to think that you are just as important to this world as the sun is.“
Orland Bishop

Weitere inhaltliche Vertiefung in unserer Zeitung, unter anderem in einem langen Text von Joshua Conens (Mit-Initiator des Projektes) zum Thema Berufsfindung.